Kerbtierische Verse

Käferklaus

Was in der Welt von allen Tieren

ist denn an Käfern interessant ?

Warum erforschen und studieren

ein kleines Pünktchen an der Wand ?

 

Wer kriecht denn noch auf allen Vieren

mit einem Netz im Wald umher,

anstatt im Netz zu recherchieren ?

Wer macht sich so das Leben schwer ?

 

Die Antwort kommt auf solche Fragen

von einem, der die Käfer liebt.

Er weiss auch schon seit Kindertagen

die Namen, die man Käfern gibt.

 

Bald lernte er beim Steinedrehen

im Garten hinter Omas Haus

dem Käferleben zuzusehen

und nie ging ihm die Neugier aus.

 

Dann war er mal in seinem Bettchen

von einem Ticken sehr erschreckt,

hat tags darauf vor sich ein Brettchen

mit kleinen Löchern drin entdeckt.

 

Die Oma kannte dieses Klopfen:

Das ist der Takt der Totenuhr,

brauchst dir die Ohren nicht verstopfen,

da klopft kein Geist – ein Käfer nur.

 

Und jetzt sucht er an alten Eichen

in Wäldern, die vom Sturm zerzaust,

nach Spuren und verborgenen Zeichen

des Lebens, das darinnen haust.

 

So mancher sitzt bequem besesselt

und klappert mit der Tastatur,

doch Klaus steht da und ist gefesselt

vom leisen Knistern der Natur.

 

Er sah schon Hunderte Verstecke

In Baumruinen hochbetagt,

nur einer hat, der Specht, der kecke,

mehr Praxis in der Käferjagd.

 

Entfliehen Käfer, ähnlich Mäusen

vor Panik in ein Mauseloch,

in ihren kleinen Bohrgehäusen –

erwischt der Käferklaus sie doch.

 

Wenn andere mit den Mäusen klicken

weltweit umher im Internet,

entzieht sich ihren Tunnelblicken

die Welt in einem alten Brett.

 

Doch wie die Katze einer Maus

bleibt Käfern auf der Spur der Klaus.

Im Sonnen- und bei Lampenlicht –

der Klaus, der lässt das Käfern nicht.

Die Brautschau des Buchdruckers

Heraus aus seinem engen Bohrloch
kroch Ips, ein Holzwurm jung an Jahren.
Als er aus seinem Loch hervorkroch,
war er als Käfer unerfahren.

Bald stach den jungen Ips der Hafer.
Er spürte plötzlich sehr genau,
obwohl er noch kein Typograph war,
er wünscht sich sehnlichst eine Frau.

Saß er noch sinnend auf der Rinde,

erspähte ihn ein bunter Specht

und nahte heimlich und geschwinde –

so flieg schon, Ips, sonst geht’s dir schlecht!

 

Er wollte nicht solange warten,

bis ihn der Specht vom Baume pickt.

Ihn deuchte, besser gleich zu starten,

als der Gefahr ins Aug’ er blickt.

 

Der Ips erhob schnell seine Flügel

und witterte im Flug den Duft,

der kam dort drüben von dem Hügel

und hing betörend in der Luft.

 

Dem Wald entstieg der Duft von Weibchen!

Er wähnte sich dem Ziele nah,

ahnt’ runde Hüften schon und Leibchen –

als jäh ein Unheil ihm geschah.

 

Der Ips fand plötzlich sich gefangen

in eines Käfersammlers Netz

und, wie gefangen, so gehangen,

so dachte er und war entsetzt.

 

Der Sammler blickte durch die Lupe,

sein Auge glotzte riesengroß,

dem Ips war endlich alles schnuppe

und er durchnässte seinen Schoß.

 

Vor Schreck ließ ihn der Sammler fahren.

Hier zeigt sich, wie ein kleiner Fleck

die Rettung sein kann aus Gefahren,

denn er erfüllte diesen Zweck.

Lob auf die Mistkäfer

So hörte ich’s von alten Schäfern:

Als Gott erschuf das Weidevieh,

ersann Er auch ein Heer von Käfern

und sparte nicht an Phantasie.

 

Im Fluge folgt dem Sprung von Pferden

ein Käfervolk in großer Schar,

ein Duft lockt sie zum Dung der Herden.

Ihr Treiben dort ist sonderbar.

 

Die meisten Käfer graben Stollen

und jeder baut nach seiner Art,

wo er im Überfluß, im vollen,

sich weidlich nährt und heimlich paart.

 

Der dicke Käfer hier trägt Hörner

als wär’s ein Bison oder Ur.

Die Kleinsten sehen aus wie Körner,

so mannigfaltig ist Natur.

 

Noch andere modellieren Kugeln

und wälzen sie den Berg hinauf.

Rollt dann die Kugel doch vom Hügel,

so nehmen sie das auch in Kauf.

 

Zig Fliegen schwirren um die Fladen,

kein Bäcker buk je solch ein Brot.

In manchen Fladen wimmeln Maden,

mit zuviel Maden herrscht bald Not.

 

Die Fliegen brummen unermüdlich

Im Duft herum, der sie umweht,

doch Käfer werden ungemütlich,

besonders wenn’s ums Fressen geht.

 

Geschwinde schaffen sie beiseite,

was sonst den Fliegen fällt anheim.

Die Fliegen suchen dann das Weite,

die Käfer jubeln insgeheim.

 

Seht diese Käfer hier sich raufen.

Sie zeigen, dass es möglich ist

mit sauberen Sachen rumzulaufen

in einem puren Haufen Mist.

 

Doch wollt ihr einmal selbst erkunden,

wie so ein Käfer sich ernährt,

sucht nach den Fladen, nach den runden,

die Neugier hat sich stets bewährt.

Wahn oder Wirklichkeit?

Es fiel, gequält von wilden Träumen,

ein Käfer jählings aus den Bäumen.

Wie er so lag am Fuß der Fichte,

erinnert er sein Traumgesichte:

 

Ein Forscher kam mit seiner Pfeife

entlang des Waldes Wegeschleife

und überlegte, einzufangen

die Käfer, die im Baume hangen.

 

Gleich richtete mit Phantasie er

Zum Klopfschirm seinen Parapluie her.

Drei harte Schläge – poch – poch – poch –

entsetzt entfiel der Kerf dem Loch

 

Und fiel

und fiel

und fiel noch immer,

das Fallen wurde immer schlimmer!

 

Dann hört er ein lautes Krachen

und spürte halb schon im Erwachen

des Forschers Finger, diese nackten,

die ihn von beiden Seiten packten.

 

Jetzt konnte er nicht mehr entfliehen.

Der Alp, der wollt’ ihn mit sich ziehen

hinab zu jenen dunklen Gründen,

die in der Käfer Hölle münden

 

und Widerpart sind der Verwandlung.

Die Hölle heißt Insektensammlung!

Da stecken Kerfe aller Größen,

mit Wespentaillen, Grillenschößen,

 

Libellenflügeln, Fliegenbeinen,

wie Pünktchen sehen aus die kleinen,

die dicken Käfer schwarzlackiert

und Schmetterlingen, kleinkariert,

 

im dicken Pelz protzt eine Hummel,

und andere tragen Flügelstummel.

Sie stecken da an spitzen Nadeln

mit Namenschildern die sie adeln,

 

in Kästchen aus dem feinsten Holze.

Dem Sammler dienen sie zum Stolze,

denn der kann seine Kästen zeigen

Kollegen, die sich tief verneigen.

 

Der Käfer wollte so nicht enden.

Wenn seine Brüder ihn so fänden!

Im Traum sodann kam das Entrinnen:

Er biß den Forscher wie von Sinnen

 

In seinen Finger mit den Zangen.

Der Forscher ließ ihn los mit Bangen

und führte eiligst nach dem Munde

den Finger mit der frischen Wunde.

 

Er hört den Forscher lauthals fluchen:

„Hab’ ich ein Pech beim Käfersuchen!“

Der Käfer hört’s hals im Erwachen,

halb noch im Traum, und mußte lachen.

Die Brautschau des Buchdruckers (Fortsetzung)

Mit nasser Hose war entronnen

Der Ips aus Schrecken und Gefahr.

Kaum hat die Freiheit er gewonnen,

ward er des Dufts erneut gewahr.

 

Voll Eifer macht er sich von dannen,

ihn lockten Weibchen mit Geruch

hin zu dem Hügel mit den Tannen,

sie luden ein zum Hausbesuch.

 

Voll Hoffnung ließ er bald sich nieder,

wo jener Duft am stärksten war.

Doch abermals fand er sich wieder

Tief in Entsetzen und Gefahr!

 

Nicht war es eines Weibchens Kammer,

wo unser Ips sich niederließ –

es war, zu seinem Graus und Jammer,

ein schwarzes, schauriges Verließ.

 

Es schien ein Abbild ihm der Hölle,

wo er gelandet war, sich grausend,

in einer Borkenkäferfalle

der Ipse voll mit vielen Tausend!

 

Zigtausend teilten das Gefängnis,

sie alle von Verführung blind,

denn statt zur Braut hin ins Verhängnis

führt’s jene, die erblindet sind.

 

Nicht unsern Ips. Der war zu helle,

dem war sein Leben noch zu jung.

Geschickt entkam er aus der Falle

und flog davon mit frischem Schwung.

 

Von Mal zu Mal erwies sich schlauer

der Ips, entronnen der Gefahr.

Er schnupperte fortan genauer,

nahm er der Weibchen Duft gewahr.

 

Bald fand er eine Rammelkammer,

wo noch kein Ips gewesen war.

Er wird bald Vater sein, ein strammer,

und freut sich auf die Kinderschar.

 

Die Kinder kann er mit Geschichten

von Düften, Fallen, Käfernetz

in neuen Dingen unterrichten,

die sind noch nicht Naturgesetz.

 

Kein Förster kann ihn je besiegen,

vergiftet der auch seinen Schuß.

In Überzahl wird überwiegen

am Ende Ips typographus.

Automarder

Durch Freiburg geht, wenn Alle schlafen,

ein Schreckgespenst aus leisen Sohlen,

schleicht wie ein Wolf zu frommen Schafen,

dort seinen Anteil sich zu holen.

Mit vollem Wanst und schweren Sorgen

wälzt durch den Traum sich manch’ ein Reicher

und niemand ahnt, daß da verborgen

im Dunkeln lauert schon der Schleicher.

Als Schatten naht er seinem Opfer

und schlitzt es dann blitzschnell und lautlos,

von unten auf, anstatt vom Kopf her.

Er meuchelt Menschen nicht – doch Autos.

Auf neue Luxus-Limousinen,

die einsam in Garagen stehen

und zu makabren Spielchen dienen,

hat er’s besonders abgesehen.

Was er mitunter auch bevorzugt

ist das Gedärm von Staatskarossen.

Besudelt wie er da hervorlugt,

hat er den Blutrausch sehr genossen.

Nimmt er für all die Tiere Rache,

die täglich auf den Straßen enden?

Ein Don Quichôte in seiner Sache,

kann er die Sache doch nicht wenden.

Läßt sich ein Wolf wohl lange drängen,

wenn dicht an dicht die Schafe dösen?

Wo Hühner sich im Schlage zwängen,

macht da ein Marder Federlesen?

Gepfercht wie Hühner stehen Wagen

des Nachts herum im Stadtteil Herdern.

Geht’s denen meuchlings an den Kragen,

dann danke ich den Automardern.

Sind morgens Tanks und Schläuche trocken,

behalte meinen Dank geheim ich,

doch keimt, wenn die Motoren stocken,

in mir wohl Freude auf, klammheimlich.

Nachtmahr

Des Nachts erwacht in seiner Kammer

der Dichter, als ihn weckt Gejammer.

Sie wimmern schlimmer als Gespenster,

die Stimmen draußen unterm Fenster.

 

Der Mond steht hoch zur zwölften Stunde,

als aus der düstren Schatten Wunde

entsteigt ein jäher Schrei in Schwären,

als ob es schwarze Fliegen wären.

 

Er horcht – sie prallen mit dem Leibe

von außen an die Fensterscheibe

und bleiben auf der Scheibe sitzen,

die ersten dringen ein durch Ritzen.

 

Als ein paar Fliegen um ihn sausen,

da packt die Panik ihn mit Grausen

und er entflieht aus seinem Zimmer.

Doch draußen wird es nur noch schlimmer.

 

Die Fliegen wimmeln zu Millionen

wie Haufen dicker, schwarzer Bohnen.

So dicht verhüllen sie die Lichter,

daß Nacht umfängt den armen Dichter.

 

Das Summen schwillt zu Sphärenchören,

vor Summen kann er nichts mehr hören,

vor Fliegen kann er nichts mehr sehen.

Blind um sich tastend bleibt er stehen.

 

Sie bleiben an den Händen kleben,

in seinen Hosen regt sich Leben,

schon krabbeln sie ihm in die Ohren !

Da hat er den Verstand verloren.

Mein Jurassic Park

Mein Urwald beginnt gar nicht weit von zuhause,

drei Schritt vor der Haustür beginnt mein Revier,

und seh’ ich die Bäume durchs Fenster der Klause,

dann lockt mich die Jagd auf subtiles Getier.

 

Am Straßenrand stehen drei Linden und darben.

Von der unterm Fenster ragt kahl mancher Ast,

doch nähren darin sich Insekten voll Farben,

im dürren Geäst wohnt manch seltener Gast.

 

Sie schlafen des Nachts gut versteckt in der Rinde,

befliegen bei Tage in flüchtigem Spiel

die sonnenbeschienene Seite der Linde.

Bei Sonnenschein finde auch ich hier mein Ziel.

 

Ein Prachtkäfer landet am Stamm und bleibt sitzen.

Ihn fangen erfordert Geduld und Geschick,

denn plötzlich – pfeilschnell ein smaragdenes Blitzen –

entfloh schon der Käfer geschwind meinem Blick.

 

Geheimnisse birgt auch die uralte Eiche.

Einst fuhr in den Stamm wie die Axt ein der Blitz

und spaltete Holz ihr und Rinde zugleiche.

Nun klafft in der Eiche ein haushoher Schlitz.

 

Um hier in den Spuren des Lebens zu lesen,

so trete behutsam ich näher zum Baum.

Im Totholz verborgene seltsame Wesen,

ob solche ich finde wie neulich im Traum?

 

Mit Löchern durchsiebt ist die klaffende Wunde,

von Meistern der Schnitzkunst gehobener Span.

Die Künstler, ganz kleine ovale und runde,

jahrzehntelang schnitzten sie dies Filigran.

 

Die Künstler verließen schon längst ihre Wohnung

Und neue Bewohner bevölkern das Holz.

Die Eiche als Kunstwerk verdient ihre Schonung,

verlieh sie schon Malern Berühmtheit und Stolz.

 

Jahrhunderte sah diese knorzige Eiche,

war Richtstatt in Kriegen und Zuflucht im Sturm.

Als Wegmarke hat überdauert sie Reiche,

im Kern überlebte verborgen ein Wurm.

 

Den Wurm hier, den Schwarzen, ihn gilt es zu loben,

doch Förster verachten den stattlichen Bock.

Zum schändlichen Feind haben sie ihn erkoren,

so schmuck er daherkommt im ledernen Rock.

 

Was Förster nicht wissen – der Heldbock kann nützen!

Kein Eichbaum war jemals am Heldbock erkrankt,

vermag der die älteste eiche zu stützen,

dem die Gestalt sie im Alter verdankt.

 

Wer hat euch gelehrt, diesen Kerf zu verachten?

Gebührte nicht Achtung noch jedem Insekt?

So nehmt euch die Zeit zum Insektenbetrachten,

ihr ahnt nicht, was alles im Eichbaume steckt!

 

Ich brauch’ keinen Bildschirm, um mich zu ergötzen,

genügt doch ein Baumstumpf am Wegrand zur Jagd.

Die Jagd auf mein Wild, sie bedarf keines Schützen

und keines, der „Weidmanns Heil!“ zu mir sagt.

 

Kein Fernrohr, kein Nachtglas, mit welchem ich ziele

Auf flüchtige Kerfe, verborgen im Moos.

Die Drachen der Urzeit, es gibt ihrer viele,

sie sind auch lebendig, nicht Filmtiere bloß.

 

Ich hab’ es nicht nötig, ins Kino zu gehen,

es übt sich mein Auge im taghellen Licht.

Erfundene Monster, die mag ich nicht sehen

und altkluge Helden verehre ich nicht.

 

Geduld braucht, und Neugier, die Jagt im Subtilen,

geschärft sind die Augen, die Sinne gespannt.

Die Jagd nach Insekten hat etwas vom Spielen,

den Blick auf das Wunder der Schöpfung gebannt.

Moritat vom Braunen Splintholzkäfer

Es lebten einmal im Museum

die Splintholzkäfer im Parkett.

Ihr feines Bohrmehl flog wie Schnee rum,

der Lyctus saß in jedem Brett.

 

Bleich war das Antlitz des Direktors,

ihm war mit einem Mal bewusst

die Wirkung dieses kleinen Vektors:

welch unermesslicher Verlust.

 

Geschäftig reichten Kammerjäger

die Tür sich dort von Hand zu Hand,

bis einer gegen den Erreger

dann endlich die Methode fand.

 

Mit einer infraroten Welle

hat er die Käferbrut bekämpft

und damit gleich noch auf die Schnelle

auch des Direktors Angst gedämpft.

 

Jedoch war unbemerkt entkommen

von all den Käfern nur ein Paar

und ist nach Übersee geschwommen

in feinem Kistenholz, fürwahr.

 

Schon ihre Väter reisten gerne

mit Handelsschiffen um die Welt,

an Bord und noch in aller Ferne,

stets war ihr Tisch schon reich bestellt.

 

Wann immer früher sie verreisten,

bedienten sie sich eines Kniffs;

sie hielten sich an Bord am meisten

ganz still im Bauch des Segelschiffs.

 

Nach Art der Blinden Passagiere

Gingen sie illegal an Land,

verächtlich pfeifend auf Papiere

am Zoll vorbei und unerkannt.

 

 

 

 

Doch heute haben Luxusliner

containerweise Holz an Bord,

und Splintholzkäfer – wie die Schreiner –

halten bei Holz und Tafel Wort.

 

Derweil sind unsre Splintholzkäfer

mit der Museumspost gereist

und haben unterwegs als Schläfer

im Flitterwochenbett gespeist.

 

Von Bord sodann ging unser Pärchen

in seiner Kiste ganz legal

und fand sich wieder wie im Märchen:

in einem großen Speisesaal.

 

Die Gattin war bald Guter Hoffnung

Und flog schnell in die Tischlerei,

hat da hinein in jede Öffnung

im Holz gelegt ein Lyctus-Ei.

 

Kaum war ein ganzes Jahr vergangen,

sind neue Käferchen geschlüpft.

Davon hat einen man gefangen

und sich an seine Spur geknüpft.

 

Bald eilten wieder Kammerjäger

und ein Direktor wurde bleich,

ganz mulmig war’s dem Würdenträger

im Bauch, wie im Parkett zugleich.

 

Und wieder haben dann Experten

die Art des Käfers festgestellt.

Wenn deren Thesen sich erhärten,

reist der hier um die ganze Welt.

 

Am Ende konnte man beweisen –

den Direktoren zum Verdruß –

kein andrer Lyctus liebt das Reisen

wie ein gewisser Brunneus.

 

War er auch vormals schon entflohen

in manches heiße Tropenland,

so winkt von allen Neozoen

gewiß bald ihm das Blaue Band.

 

 

 

 

Er treibt sich gern auf hoher See um,

denn als Tourist denkt er global,

zieht von Museum zu Museum

am Ort ins beste Stammlokal.

 

Wie im Museum den Kustoden,

auch andren kommt er nicht zupaß,

denn nagt er heimlich fort im Boden,

bleibt nichts als Staub von seinem Fraß.

 

Auch tief im Ohr von Importeuren

ist dieser Lyctus penetrant.

Sie können den schon nicht mehr hören,

bei ihnen bleibt er ungenannt.

 

Verspeisend Tropenholz vornehmlich

wird mancher Lyctus importiert.

Es reist im Holz sich sehr bequemlich

für ihn, der im Export versiert.

 

Im Mai bei heißen Temperaturen,

wofür er ganz besonders schwärmt,

lustwandelt er auf Waldesfluren,

seit unser Klima sich erwärmt.

 

Er gibt sich mit den schmalsten Kanten –

das macht ihm so leicht keiner nach

von seinen nächsten Anverwandten –

zufrieden für sein Wohngemach.

 

Seit in Orkanen Bäume purzeln

und sich ihr Holz zu Haufen türmt,

wohnt Lyctus in den Eichenwurzeln

und freut sich noch, wenn’s weiter stürmt.

 

Hört die Moral von der Geschichte,

bevor das Holz zusammenbricht,

daß man den Lyctus je vernichte –

glaubt das den Kammerjägern nicht.